Geldanlage & Inflation

Gefahr oder Chance auf steigende Zinsen?

Am Schlagwort Inflation entzünden sich spätestens seit der Finanzkrise nicht nur in den immer gleichen Talkshows die Emotionen. Kommt sie oder kommt sie nicht? Welche Auswirkungen hat die massive Ausweitung der Geldmenge durch Notenbanken rund um den Globus auf die Inflationsrate und damit letztlich auf den Wert der Geldanlage? Gibt es wirklich einen Schutz vor Inflation?

Nach Jahren ohne offizielle Inflation ist spätestens jetzt, da die Inflationsrate seit einigen Monaten wieder auf ein "normales Maß" steigt, damit zu rechnen, dass die Diskussion darum, wie Anleger Ihr Erspartes in Sicherheit bringen müssen, wieder an Fahrt gewinnt.

Wir haben einige Fakten zusammengetragen, um über die Hintergründe aufzuklären, werfen einen Blick zurück auf die letzten Jahre, um zu sehen, was aus den vielen Geldanlagen geworden ist, die von einigen Anbietern mit dem Argument Inflationsschutz massiv verkauft wurden, warum wir anderer Meinung waren und was wir stattdessen gesagt haben und noch immer sagen.

Vorweg: Dass die Geldanlage Zinsen für Tagesgeld, Festgeld oder die Zinsen auf dem Sparkonto bereits in Kürze auf breiter Front wieder steigen, davon gehen wir derzeit nicht aus. Kurzfristig könnte sogar noch das Gegenteil der Fall sein. Warum wir das glauben und wie sie für kurzfristige Anlagen jetzt noch darauf reagieren können, erfahren Sie hier, wie Sie Ihre Geldanlage wirklich sinnvoll vor drohender Geldentwertung schützen können, am Ende dieses Artikels.

 

Die gute Seite der Inflation

Oder: eine sachliche Betrachtung

Hundertprozentige Preisstabilität funktioniert nur auf dem Papier. Oder in einer Planwirtschaft.

Dort sorgen gesetzlich vorgegebene Preise für nominale Stabilität. Dass das eine ganz andere Form von Stabilität ist, haben die planwirtschaftlichen Feldversuche längst vergangener Jahrzehnte gezeigt. Denn wie die Geschichte beweist, hat eine statische Wirtschaft gegenüber dem marktwirtschaftlichen Modell keinen Mehrwert erreicht.

Das wohl bezeichnendste Beispiel zeigt sich in der deutschen Automobilindustrie: während Wartburg und Trabant nicht zu Marktpreisen verkauft wurden - bis sie letztlich nicht mehr zu verkaufen waren - ist natürlich der Preis der Hersteller für Fahrzeuge, die auch heute noch auf den Straßen unterwegs sind, im Lauf der Zeit gestiegen. Nominal kostet heute ein PKW natürlich mehr als vor 20 oder gar 40 Jahren. Aber wer würde behaupten, dass er beim Kauf eines Neuwagens im Vergleich zu 1990 oder 2000 für den heutigen Preis kein Plus an Sicherheit oder Funktionalität und Komfort erhält?

Oder nehmen Sie einen mittlerweile so alltäglichen Gebrauchsgegenstand wie ein Mobiltelefon. Natürlich sind Smartphones heute teurer als ein Handy vor zehn Jahren. Aber wer würde behaupten, dass er vor 15 Jahren quasi von überall seine Emails abrufen oder Kalender und Notizbuch so bequem wie heute verwalten konnte?

Da wir nicht in statischen Wirtschaftskreisläufen leben, wird produktiver Fortschritt selbstverständlich auch mit höheren Preisen bewertet und letztlich auch bezahlt. Sonst lohnten sich Forschung und Entwicklung nicht. Selbst die Deutsche Bundesbank als Hüterin der Deutschen Mark und heute die Europäische Zentralbank definieren Preisstabilität nicht mit gleichbleibenden Preisen. Eine mäßige Inflation ist somit nicht Ausdruck eines Problems, sondern nüchtern betrachtet auch eine natürliche Begleiterscheinung wirtschaftlichen Fortschritts.

 

Wie immer: 2 Seiten der Medaille

Natürlich gibt es auch die viel häufiger und mit Sicherheit zu recht wahrgenommene schmerzhafte Seite der Inflation. Sie tritt nicht nur zum Vorschein, wenn wir keinen Sinn darin erkennen, warum das Stück Butter plötzlich 20% teurer ist als im Vorjahr oder der Benzinpreis an der Tankstelle wieder langsam seine alten Rekorde wieder in Angriff nimmt. Sondern auch wenn wir feststellen, dass über Jahre mühsam Erspartes nicht mehr dazu ausreicht, den vor Jahren zum Sparziel erklärten Wunsch zu bezahlen. Kritisch wird es, sollte eine Inflationsspirale wie in den 1920er Jahren in Gang kommt. Jedoch sind wir davon aktuell weit entfernt. Und dafür gibt es gute Gründe: Für Unternehmen ist es heute deutlich schwieriger als zur damaligen Zeit, Preiserhöhungen durchzusetzen. Denn mit der ständigen Verfügbarkeit von Ersatzprodukten, der wesentlich höheren Vergleichbarkeit und damit auch Austauschbarkeit von Produkten und Dienstleistungen können sich Unternehmer kaum Preiserhöhungen erlauben ohne Gefahr zu laufen, Marktanteile zu verlieren.

 

Düstere Prognosen bis heute nicht eingetreten

Als die Notenbanken rund um den Globus während der Finanzkrise begannen, massiv Geld "zu drucken", wurden zum Ende des Jahres 2008 schlagartig düsterste Szenarien entworfen und verbreitet. Oft zitiert wurden Wirtschaftswissenschaftler - darunter nicht nur unbekannte Namen - die für 2011 eine Inflationsrate von 10% prognostizierten. Andere Experten hielten dies in einem Umfeld, das nicht frei von Konjunkturisiken war, für nicht sehr wahrscheinlich. Auch wir.

Bereits im Jahr 2009 war trotz der ersten Geldschwemme in Folge der weltweiten Rettungsmaßnahmen für Banken und Finanzkonzerne eine historisch niedrige Inflationsrate zu beobachten. Aus gutem Grund: Als Folge des Wirtschaftseinbruchs wurden weniger Rohstoffe und Güter nachgefragt, was zu rückläufigen Preisen führte.

 

Nicht überall, wo Inflationsschutz draufsteht...

... steckt auch Inflationsschutz drin

Allein die Schreckenszenarien waren für einige Anbieter offenbar ausreichend, um zahlreiche Angebote zur Rettung von Millionen an Anlegergeldern vor der drohenden Inflation aufzulegen. Und zu verkaufen. Nicht nur Gold und angebliche Sachwerte, vor allem auch Inflationsanleihen waren plötzlich in Mode. Wir haben unseren Kunden davon abgeraten, weil uns schon damals klar war: Ein Vermögen lässt sich nicht mit einer fünfjährigen Inflationsanleihe, die 1% Mindestverzinsung garantiert und deren Verzinsung zudem noch bei 4% nach oben gedeckelt ist, vor Geldentwertung schützen.

Wäre die Inflation - entgegen unserer Erwartung - "durch die Decke gegangen", hätten Anleger Geld verloren: Ein Ausgleich höherer Inflationsraten ist mit solchen Konstrukten auf Grund der Deckelung des Zinsertrags nicht möglich.

Noch schlimmer: Das größte Problem an solch einer vermeintlichen Lösung zum Schutz vor Inflation ist paradoxerweise die Inflationsrate an sich: Denn die durchschnittliche Preissteigerung wird als prozentualer Wert gegenüber einem Vergleichszeitraum (in der Regel dem Vorjahr) berechnet. Damit entsteht ganz schnell ein als Basiseffekt umschriebenes Phänomen: Preise steigen in einer Marktwirtschaft nicht jährlich linear. Das heißt, auf ein Jahr mit hoher Inflation folgt in der Realität auch gelegentlich wieder ein Jahr mit niedrigen Preissteigerungen. Im Extremfall hätten Anleger in einem Jahr mit 5% Inflation diese (auf Grund der Maximalverzinsung) nicht ausgleichen können, in einem darauf folgenden Jahr mit 0,9% Inflation, wären sie dafür mit einem mageren Aufschlag von 0,10% auf die Inflationsrate "belohnt" worden, weil für die in unserem Beispiel gewählte Anleihe dann die Mindestverzinsung in Höhe von 1% -gegriffen hätte.

Jetzt ließe sich sagen, angesichts der in den letzten Jahren immer weiter gesunkenen Zinsen wären  1% Zinsen noch ein gutes Geschäft gewesen. Mitnichten.

 

Die bessere Wahl für Ihre Geldanlage

Denn zur gleichen Zeit und mit gleicher Laufzeit gab es auch variabel verzinsliche Anleihen mit 3% Mindestverzinsung und ohne Begrenzung der Maximalverzinsung. Nur eben: Die Marketingabteilungen dieser Emittenten hatten diese Angebote nicht Inflationsanleihen genannt. Mit diesen Anleihen mussten sich Anleger nicht auf einen festen Zins für die gesamte Laufzeit festlegen, d.h. wären die Zinsen in den letzten Jahren gestiegen, hätten sie automatisch auch für diese Anleihen mehr Zinsen erhalten. Heute wissen wir es: die Zinsen sind nicht gestiegen, sie sind bis heute auf immer neue historische Tiefs gefallen. Jetzt gibt es sogar Minuszinsen für die Geldanlage. Für Anleger, die unserem Rat gefolgt sind, war das kein Problem: während Tagesgeld und Co zunehmen weniger Zinsertrag brachten, konnten sie sich dank der Mindestverzinsung getrost zurücklehnen und sich jedes Jahr über 3% Zinsen freuen. Übrigens: Als unabhängiges Bankhaus legen wir keine eigenen Anleihen auf, sondern suchen am Markt nach den jeweils besten Angeboten für unsere Kunden. Und die gute Nachricht: Variabel verzinsliche Anleihen mit fester Mindestverzinsung gibt es auch heute noch, wenngleich natürlich nicht mehr mit 3% Zinsen. Aber doch mehr Zinsen als es sie für ein Tagesgeld gibt und anders als bei einem Festgeld mit automatischer Teilhabe bei in der Zukunft stiegenden Zinsen.

Geldanlage Beratung

 

Aktuelle Inflation im Blick behalten

So gefährlich es für Anleger werden kann, sich in Panik vor Geldentwertung für eine ihrem Namen nicht gerecht werdende Inflationsanleihe zu entscheiden oder Geld nur noch in Immobilien (Vergessen Sie die 1990er Jahre nicht), Aktien (Haben Sie immer jeden Kurssturz ohne Panikverkauf ausgehalten?) oder Gold (die Top-Empfehlung der 2010er Krisenjahre vieler selbsternannter Experten...) anzulegen, so gefährlich ist es, das Thema Inflation bei der Geldanlage generell zu ignorieren.

Denn nicht die (vielleicht) nie eintretende Extrem-Inflation ist es, die Geldwerte vernichtet, sondern die - jeweils aktuelle. Die reale Inflation. Aktuell hat die Inflationsrate nach vielen Jahren erstmals überhaupt wieder die Marke von 2% erreicht und es bleibt abzuwarten, mit welchen neuen "Angeboten" für die Geldanlage unterschiedlichste Anbieter bereits in Kürze wieder werben werden, weil die Horrorszenarien, die vor fast 10 Jahren entworfen wurden - wenn auch mit Verspätung -  jetzt sicher doch noch eintreten werden. Wir glauben daran nicht. Aber: Auch bei einer jährlichen Inflationsrate von nur 2% schwindet die Kaufkraft einer Geldanlage binnen 10 Jahren um mehr als 17%: So bleiben von einer Geldanlage mit einem Anlagebetrag von 20.000 EUR in 10 Jahren "gefühlt" nur noch etwas mehr als 16.000 EUR übrig.

 

Klassische Rezepte statt wilder Experimente

Da es jedoch - genauso wenig wie jemand den Stand des DAX in zehn Jahren seriös prognostizieren kann - schwierig sein dürfte, die Inflation auf Sicht von zehn Jahren vorherzusagen, führt der einzige Weg, Inflationsrisiken zu begrenzen zu einem sinnvollen Mix aus verschiedenen Anlagemöglichkeiten und nicht zu der einen Anlage, die vor Inflation schützt. Gut zu wissen: dass es dazu noch immer sinnvolle Anlagemöglichkeiten und sogar das ein oder andere Zinsschnäppchen gibt.

Aktuelle Angebote

 

Rechtlicher Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite haben wir ausschließlich zu Informa­tionszwecken für Privatkunden aus Deutschland erstellt. Sie stellen weder eine Anlageberatung im Sinne des Wertpapier­handelsgesetzes, noch eine Steuer- oder Rechts­beratung oder eine Aufforderung zum Erwerb von Wertpapieren dar.

.

xxnoxx_zaehler